Deine Fotos in der iCloud: Warum dein Passwort deiner Familie nicht reicht

Stand: geprüft im September 2026 · Alexander Eggert, Digital Geordnet

Stell dir vor, du bist nicht mehr da. Deine Tochter möchte eure gemeinsamen Erinnerungen bewahren: die Fotos aus den Urlauben, von Familienfeiern, von ganz normalen Tagen. Die liegen in deiner iCloud.

Sie setzt sich an ihren Laptop. Das Passwort für deinen Apple Account kennt sie sogar, du hast es ihr mal aufgeschrieben. Sie meldet sich an, und Apple schickt einen Bestätigungscode. An dein iPhone. Das liegt gesperrt in der Schublade, und den Code zum Entsperren kennt niemand.

Bei Google läuft es genauso. Anbieter prüfen bei jeder Anmeldung, ob sie von einem bekannten Gerät kommt. Von einem fremden Gerät aus wollen sie eine Bestätigung auf deinem Handy. Das schützt dich vor Fremden. Es sperrt aber auch deine Familie aus, sobald du selbst nicht mehr bestätigen kannst.

Für genau diesen Fall haben Apple und Google einen offiziellen Weg gebaut. Du richtest ihn in ein paar Minuten ein. Ohne diese Einrichtung wird es für deine Familie deutlich zäher: Sie muss Nachweise sammeln, lange warten, und ob sie am Ende an alles kommt, ist offen.

Apple Nachlasskontakt

Was er macht

Du trägst eine oder mehrere Personen ein. Jede bekommt einen eigenen Zugriffsschlüssel. Mit diesem Schlüssel und einer Sterbeurkunde kann sie nach deinem Tod bei Apple Zugriff auf deine Daten beantragen, also auf Fotos, Nachrichten, Notizen, Dateien und Geräte-Backups.

Was er nicht kann

Gekaufte Filme, Musik, Bücher und Abos bleiben außen vor. Und, das ist der wichtigere Punkt: der iCloud-Schlüsselbund auch. Dort liegen deine gespeicherten Passwörter, Zahlungsdaten und Passkeys. Deine Familie sieht also deine Fotos, kommt damit aber noch in kein einziges anderes Konto. Wie du das löst, steht im Artikel Passwortmanager im Todesfall.

Voraussetzungen

  • iPhone oder iPad mit iOS bzw. iPadOS 15.2 oder neuer, oder ein Mac mit macOS 12.1 oder neuer
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung für deinen Apple Account ist aktiv
  • du bist mindestens 13 Jahre alt (das Mindestalter hängt vom Land ab)

Schritt für Schritt

  1. Öffne die Einstellungen und tippe oben auf deinen Namen.
  2. Tippe auf Anmelden & Sicherheit.
  3. Tippe auf Nachlasskontakt und dann auf Nachlasskontakt hinzufügen.
  4. Wähle die Person aus deinen Kontakten.
  5. Teile den Zugriffsschlüssel mit ihr, per Nachricht oder ausgedruckt.

Am Mac geht es genauso über die Systemeinstellungen, deinen Namen, Anmelden & Sicherheit und Nachlasskontakt.

Google Kontoinaktivität-Manager

Was er macht

Google arbeitet anders als Apple. Hier zählt keine Sterbeurkunde, sondern die Zeit: Du legst fest, wie lange dein Konto ungenutzt bleiben darf, bevor etwas passiert. Zur Wahl stehen 3, 6, 12 oder 18 Monate.

Läuft die Zeit ab, benachrichtigt Google bis zu zehn Personen, die du vorher bestimmt hast. Jeder kannst du eigene Daten freigeben, der einen die Fotos, dem anderen Gmail und Drive. Dazu kannst du eine kurze persönliche Nachricht hinterlegen und festlegen, ob dein Konto danach gelöscht wird.

Als aktiv gilt dein Konto, solange du dich anmeldest, Gmail nutzt (auch in der App), unter „Meine Aktivitäten" etwas auftaucht oder sich dein Android-Handy regelmäßig meldet. Einen Monat vor Ablauf der Frist warnt Google dich per SMS und E-Mail. Aus Versehen für inaktiv erklärt wirst du also nicht, solange du deine Mails liest.

Was er nicht kann

Er reagiert nicht sofort. Stellst du 18 Monate ein, wartet deine Familie im Ernstfall anderthalb Jahre. Und er ersetzt kein Gespräch: Die Personen, die du einträgst, erfahren beim Einrichten nichts davon.

Voraussetzungen

Ein Google-Konto und eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, über die Google dich vor Ablauf der Frist erreichen kann.

Schritt für Schritt

  1. Öffne myaccount.google.com/inactive und melde dich an.
  2. Wähle, nach wie vielen Monaten ohne Aktivität etwas passieren soll.
  3. Füge die Personen hinzu und wähle für jede, welche Daten sie bekommt.
  4. Leg fest, ob du eine persönliche Nachricht hinterlassen möchtest und ob dein Konto danach gelöscht werden soll.

Richtest du nichts ein, darf Google Konten nach zwei Jahren ohne Aktivität löschen. Dann sind auch Fotos und Mails weg, ohne dass jemand gefragt wurde.

Was ich dir empfehle

Wenn du ein iPhone oder ein Google-Konto hast: Richte beides ein. Heute noch. Es ist einer der wenigen Schritte im digitalen Nachlass, der wirklich nur ein paar Minuten dauert und im Ernstfall Wochen spart.

Drei Dinge würde ich dabei nicht vergessen:

Sag den Personen Bescheid. Bei Google erfahren sie sonst erst davon, wenn eine unbekannte Mail im Postfach landet, und die geht leicht im Spam unter. Bei Apple brauchen sie den Zugriffsschlüssel, und den sollten sie auch nach einem Handywechsel noch finden.

Druck den Apple-Zugriffsschlüssel aus und leg ihn zu deinen Unterlagen für den Ernstfall, am besten in einen Notfallumschlag. Eine Nachricht auf einem fremden Handy ist schnell verloren.

Wähl bei Google keinen zu langen Zeitraum. Wer sein Konto jeden Tag nutzt, riskiert mit 3 oder 6 Monaten keinen Fehlalarm, und die Familie wartet nicht unnötig lange.

Übrigens muss die Person, die du einträgst, nicht dieselbe sein, die sich sonst im Ernstfall um alles kümmert. Wichtig ist nur, dass beide voneinander wissen und du irgendwo festgehalten hast, wer wofür eingetragen ist.

Apple und Google sind die wichtigsten Anbieter, aber nicht die einzigen. Viele Dienste haben eigene Regeln für den Todesfall. Such auf den Hilfeseiten nach Nachlasskontakt, Vorsorgekontakt, digitaler Nachlass oder Kontoinaktivität, auf Englisch nach legacy contact oder inactive account manager.


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Häufige Fragen

Kann mein Nachlasskontakt schon zu Lebzeiten auf mein iPhone zugreifen? Nein. Der Zugriff ist erst nach deinem Tod möglich, mit Zugriffsschlüssel und Sterbeurkunde.

Bekommt mein Nachlasskontakt meine Passwörter? Nein. Der iCloud-Schlüsselbund mit Passwörtern, Zahlungsdaten und Passkeys ist ausgenommen.

Was passiert, wenn ich länger krank bin und mich nicht anmelde? Google warnt dich einen Monat vor Ablauf der Frist per SMS und E-Mail. Wenn du den Zeitraum passend zu deiner Nutzung wählst, ist ein Fehlalarm sehr unwahrscheinlich.

Kann ich die Einstellungen später ändern? Ja, bei beiden Anbietern jederzeit. Schau am besten einmal im Jahr drauf, zum Beispiel wenn du dein Handy wechselst.


Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Er beschreibt die Funktionen der Anbieter nach deren eigenen Angaben, Stand September 2026. Anbieter ändern Funktionen und Menüs gelegentlich.

Quellen

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